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Verband medizinischer Fachberufe e.V. fordert besseren Mitarbeiterschutz in Arztpraxen

21.12.2011

Infektionsrisiko durch Nadelstichverletzungen noch immer groß.

Beschäftigte in Arztpraxen werden nicht ausreichend vor blutübertragbaren Infektionen geschützt, darauf macht der Verband medizinischer Fachberufe e.V. aufmerksam. Schon durch kleinste Verletzungen an Kanülen oder Spritzen können Infektionen vom Patienten auf das medizinische Personal übertragen werden. Gerade in Arztpraxen werden jedoch die bestehenden sicherheitstechnischen Regeln oft nicht umgesetzt. Der Verband will daher gemeinsam mit der Initiative SAFETY FIRST! verstärkt über die Risiken von Nadelstichverletzungen aufklären und sich für mehr Arbeitssicherheit in den Arztpraxen einsetzen. Eine Onlineumfrage unter Medizinischen Fachangestellten bestätigte den dringenden Handlungsbedarf.
Blutentnahme und das Setzen von Spritzen gehören zu den alltäglichen Arbeitsaufgaben von Medizinischen Fachangestellten. Dadurch sind sie besonderen Infektionsrisiken ausgesetzt und müssen auch entsprechend geschützt werden. Denn schon kleinste Verletzungen an den medizinischen Instrumenten können zu Infektionen mit Krankheitserregern wie dem Hepatitis-C oder HI-Virus führen. „Medizinische Fachangestellte haben sehr verantwortungsvolle Aufgaben und stehen gleichzeitig oft unter Zeitdruck. Wenn es einmal hektisch wird, ist ein kleiner Stich schnell passiert“, erläutert Hannelore König, 1. geschäftsführende Vorsitzende des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. „Häufig sind sowohl die Mitarbeiter als auch die Ärzte nicht ausreichend über die Infektionsrisiken von Nadelstichverletzungen oder über mögliche Schutzmaßnahmen aufgeklärt“, so die Vorsitzende weiter.

In einer Online-Befragung, an der über 200 Medizinische Fachangestellte teilnahmen, gaben 66 Prozent der Befragten an, mindestens eine Nadelstichverletzung in ihrem Berufsleben gehabt zu haben. Die meisten davon sind mit 27 Prozent bei der Blutentnahme passiert. Wegen dieses hohen Risikos ist unter anderem für Blutentnahmen gemäß der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 250 seit über drei Jahren der Einsatz von sogenannten verletzungssicheren Instrumenten verpflichtend. „Wir gehen jedoch davon aus, dass nur in 25 Prozent der Arztpraxen verletzungssichere Blutentnahmekanülen zum Einsatz kommen“, so Prof. Dr. Andreas Wittmann, wissenschaftlicher Leiter der Initiative SAFETY FIRST! Die Mängel bei der Arbeitssicherheit in Arztpraxen bestätigte auch die Onlineumfrage: Fast die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass Mitarbeiter in Arztpraxen besser vor Nadelstichverletzungen geschützt werden müssen.

Brigitte März, Referatsleiterin für Medizinische Fachangestellte im Verband medizinischer Fachberufe, sieht Handlungsbedarf bei allen Beteiligten: „Medizinische Fachangestellte müssen verstärkt für ihre Rechte eintreten. Aber natürlich stehen auch die Praxisbetreiber in der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern! Leider spielen die Kosten dieser Systeme noch immer eine wesentliche Rolle und wenn sichere Instrumente eingeführt werden, werden die Mitarbeiter oft nicht ausreichend in ihrer Handhabung geschult. Hier sind die Arztteams aber auch die Hersteller und die Kostenträger in der Pflicht. Sicherheit darf keine Frage des Geldes sein.“

Gemeinsam mit der Initiative SAFETY FIRST! möchte der Verband medizinischer Fachberufe e.V. eine Verbesserung der Arbeitssicherheit in den Arztpraxen erreichen. Unter anderem werden Fortbildungsveranstaltungen mit intensivem Erfahrungsaustausch zu dem Thema angeboten.

Über den Verband medizinischer Fachberufe e.V.
Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. ist die berufliche Interessenvertretung der Medizinischen, Zahnmedizinischen und Tiermedizinischen Fachangestellten.

Über SAFETY FIRST!
SAFETY FIRST! ist eine Gemeinschaftsinitiative verschiedener Institutionen, um über das Infektionsrisiko durch Nadelstichverletzungen zu informieren und über mögliche Schutzmaßnahmen aufzuklären.

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